Far from Fear e. V, Pflegestelle, Windhunde, Galgos

18 Jahre Pflegestelle für Far from Fear – eine Herzensgeschichte

November 2007… Winter, draußen fiel der erste Schnee, drinnen saß ich mit einer Tasse Tee in der Hand und dem Kopf voller Gedanken. Mein Hund Paco lag auf seinem Lieblingsplatz und war – sagen wir mal – eher ein Charakterhund. Kein einfacher. Ein Hund mit Vorgeschichte. Aber ich spürte, dass da noch mehr geht. Auch, weil ich Paco zu diesem Zeitpunkt schon großes Vertrauen schenken konnte.

Dennoch war die Sorge groß, ob das Zusammenleben mit einem zweiten Hund wirklich funktionieren würde. Was, wenn nicht? Ich wollte Paco nicht überfordern, und mich natürlich auch nicht. Aus dieser Unsicherheit heraus entstand eine Idee, die mein ganzes Leben verändern sollte: Pflegestelle werden.

Nur auf Zeit. Nur zum Ausprobieren. Nur mal sehen.

Durch Pacos eigene Geschichte – er kam ursprünglich aus Spanien und landete als Wanderpokal, von Tierheim zu deutscher Familie zu nächster Familie und wieder zurück in ein Tierheim, irgendwann bei mir – wurde ich auf das unermessliche Leid der Galgos aufmerksam. Diese Bilder, diese Berichte, sie lassen dich nicht mehr los, wenn sie einmal in dir angekommen sind. Also begann ich zu recherchieren, googelte mich durch die Nacht, schrieb zahlreiche Vereine an, die Galgos vermitteln (unter anderem Far from Fear e. V.), stellte mich vor, erzählte von meinem Beruf als Hundetrainerin, von meinen vielfältigen Aktivitäten, meiner Energie und von meinem Wunsch, mich als Pflegestelle einzubringen.

Die Reaktionen waren ernüchternd, denn es passierte das, was im Tierschutz leider auch passiert: Einige antworteten gar nicht. Einige sagten ab. Und ein Verein ließ sogar ausrichten, ich sei viel zu aktiv für diese sensible Rasse und man würde mir niemals einen Hund anvertrauen. Bis heute frage ich mich, was das sollte. Aktiv sein heißt doch nicht lieblos sein. Im Gegenteil.

Die Absagen waren – aus heutiger Sicht – mein Glück.

Denn dann kam diese eine Nachricht von Far from Fear beziehungsweise der damaligen Vorsitzenden Ulrike Feifar. Vom ersten Moment an fühlte ich mich willkommen. Nicht geprüft wie unter einer Lupe, nicht in Schubladen gesteckt, sondern ernst genommen. Alles wurde in Ruhe besprochen: die Aufgabe als Pflegestelle, die Verantwortung, der Ablauf von Transport und Aufnahme.

Ich weiß noch genau, wie ich nach dem Telefonat das Gefühl hatte, als würde ich schon dazugehören, obwohl ich noch gar nichts „getan“ hatte. So, wie man es braucht, wenn man gerade mit einem Fuß in eine neue Welt tritt.

Dezember 2007…

Shira (damals noch Suspira) zog bei uns ein – unsere allererste Pflegehündin. Mit ihr fing alles an. Ich weiß noch, wie zögerlich sie war, wie ihr Blick alles absuchte, wie sie Paco beobachtete. Und so schnell sie gekommen war, zog sie auch schon wieder in ihr Für-immer-Zuhause. Zu einer Familie, mit der ich bis heute eng verbunden bin, und die später noch zwei weitere Pflegehunde von mir übernahm, darunter den blinden Jaro.

Far from Fear e. V, Pflegestelle, Windhunde, Galgos
Shira

Februar 2008…

Es folgte Pflegehund Nummer zwei. Donna, ängstlich, vorsichtig, eine von denen, die erstmal nur am Rand stehen und schauen, ob man es wirklich ernst meint mit dem Guten. Und dann kam das, wofür ich Pflegestelle werden wollte: Sie knüpfte von Anfang an ein dickes Band zu Paco. Und er zu ihr. Genau das hatte ich mir erhofft, war aber gleichzeitig tief berührt davon, wie selbstverständlich Hunde manchmal zueinander finden.

Weil es so gut funktionierte, durfte Donna bleiben. Pflegestelle? Erstmal Pause. Ich dachte kurz, das Kapitel wäre beendet.

War es natürlich nicht.

Dezember 2010…

Was danach folgte, war mehr als nur ein Ehrenamt. Es war diese wunderbare Aufgabe, dieses „Da wartet noch jemand“. Und so zog Pepe ein, ein kleiner Strubbel-Windhund-Mix. Ich war mir ganz sicher: Der wird vermittelt. Der zieht wieder aus. Der ist nur auf Durchreise. Tja.

Pepe kam, sah, und siegte.
Ströhlein Nr. 3.

Far from Fear e. V, Pflegestelle, Windhunde, Galgos
Paco, Donna, Pepe

Pepe ist kürzlich im November 2025 verstorben, und er fehlt sehr. Aber er ist überall noch da, in kleinen Gewohnheiten, Blicken, Erinnerungen. Und ganz fest in unseren Herzen (genau wie alle anderen, die bereits vorausgegangen sind).

Juli 2011…

Die kleine Miley reist im Welpenalter aus Spanien zu uns aus. Und dann einer nach dem anderen.

Finn, Mola, Campino, Raya, Marron, Aurah, Millie, Kalea, Ludo, Cara, Pino, Dorie, TomTom, Tilda, Pepita, Canela, Mio, Pedro, Alma, Aragorn, Betty, Erna, Canija, Malia, Ziro, Pina, Naomi, Benito, Lasko, Vaiana, Lucy, Ivy, Fritz-Casimir, Trudi, Wendy, Jaro, Jeronimo, Lenya, Remo und zuletzt Zarena.

Es wurde eine lange Reise. Eine, die manchmal weh tut. Und gleichzeitig so unfassbar viel Sinn macht. 44 Pflegehunde von/für Far from Fear (Zarena durfte kürzlich in ihr eigenes Für-immer-Zuhause ziehen). So schwer es jedes Mal ist, einen Hund nach Wochen, Monaten oder sogar über einem Jahr wieder gehen zu lassen, so sehr entschädigt die nächste arme Seele, die zu uns kommt. Zu sehen, wie aus oft tief verunsicherten, ängstlichen Hunden lebensfrohe, glückliche Begleiter werden, ist unbezahlbar.

Far from Fear e. V, Pflegestelle, Windhunde, Galgos
Donna, Mio, Dorie, Cara, Pepe, Aragorn und Opa Paco (2019)

Far from Fear e. V, Pflegestelle, Windhunde, Galgos
Aragorn, Pepe, Donna, Dorie, Mio, Vaiana und Pina (2021)

Jeder Hund, der in seine eigene Familie zieht, macht Platz für den nächsten. Denn in Spanien warten unendlich viele Hunde auf ihre Chance. Und diese Chance werden wir so lange bieten, wie wir es leisten können. Aktuell überlegen wir, wer als Pflegehund Nummer 45 bei uns einziehen könnte, natürlich nur vorübergehend. Denn die 50 wollen wir auf jeden Fall voll machen.

„Wir“ – das sind Dorie, Mio, Aragorn, Pina, Vaiana und ich – in einigen Fällen bin ich bekennende Pflegestellenversagerin!

Far from Fear e. V, Pflegestelle, Windhunde, Galgos
Meine „Lieblingsbande“

Januar 2026…

Es ist wieder Winter, meine Hunde schlafen um mich herum, und ich denke an jeden einzelnen „Pflegi“, der durch unsere Tür trat.

Seit über 18 Jahren bin ich nun Teil der 25-jährigen Geschichte von Far from Fear e. V.

Wenn ich heute auf das Jahr 2007 zurückblicke, bin ich unendlich dankbar, dass genau dieser Verein mich damals mit offenen Armen empfangen hat. Wer weiß, ob ich sonst heute noch so aktiv diese nicht immer einfache, aber zutiefst erfüllende Aufgabe als Pflegemama leben würde. Und vor allem: Meine heutige Hundefamilie hätten so in dieser Zusammensetzung niemals den Weg zu mir gefunden. Der Gedanke daran lässt mich tatsächlich sehr sentimental werden ❤️.

Far from Fear e. V, Pflegestelle, Windhunde, Galgos
Aragorn, Pina, Dorie, Pepe, Mio, Vaiana (2025)

Mit jedem Hund habe ich gelernt. Mit jedem Hund habe ich mich weiterentwickelt. Mit jedem Hund ist mein eigenes „Rudel“ – im Herzen wie im Leben – gewachsen. Und es sind viele enge Freundschaften mit Adoptivfamilien meiner Pflegehunde entstanden, die ich nicht missen möchte.

Herzlichen Glückwunsch

… liebes FFF-Team, zu 25 Jahren unermüdlichem Einsatz. Auf noch viele gemeinsame Jahre im Sinne unserer geliebten Galgos.

Meine Pflegehunde von 2007 bis jetzt im Video ⤵️

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Weitere Informationen

Und von „Heimtier TV“ wurde ich im dortigen Podcast auch bereits zum Thema Pflegestelle befragt (November 2025), du kannst dir den Beitrag auf YouTube ab Minute 17.11 ansehen

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Christine Ströhlein, Expertin für Mehrhundehaltung und Buchautorin

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Hi, ich bin Christine Ströhlein – Hundetrainerin, Buchautorin und leidenschaftliche Mehrhundehalterin. Mit meiner eigenen Hundefamilie (sechs Windhunde aus dem spanischen Tierschutz) und der Erfahrung aus über 40 Pflegehunden weiß ich, wie herausfordernd – und wie wunderschön – das Leben im „Rudel“ sein kann. Ich helfe dir, Spannungen zu erkennen, klare Strukturen aufzubauen und wieder mehr Gelassenheit in euren Alltag zu bringen – bedürfnisorientiert, fair und praxisnah, ohne Druck und ohne Dogmen.
Denn: „Harmonie im Rudel ist das Ergebnis liebevoller Führung.“

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Update 04. Februar 2026: Pflegehund Nr. 45 ist „gefunden“ und darf am 07. März 2026 aus Spanien zu uns ausreisen.

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