Lieblingshunde, Windhunde, Galgo

Darfst du einen Lieblingshund haben, ohne den anderen unrecht zu tun?

Du gibst dir als Mehrhundehalter die größte Mühe… jeder Hund bekommt sein Futter, seinen Spaziergang, seine Streicheleinheiten. Du achtest genau darauf, dass keiner zu kurz kommt. Und trotzdem ist da immer wieder dieser eine Moment, in dem du spürst, dass es mit dem einen Hund einfach leichter läuft. Die Verbindung fühlt sich tiefer an, vielleicht auch einfach selbstverständlicher.

Und schon meldet sich die leise Stimme im Kopf: „Bin ich ein schlechter Hundehalter? Werde ich den anderen damit nicht gerecht?“ Du schiebst den Gedanken weg, aber er kommt in bestimmten Situationen immer wieder, etwa bei der Fütterung oder beim Kuscheln auf dem Sofa. Jedes Mal, wenn dein Blick zuerst diesen einen Hund sucht.

Dieses schlechte Gewissen frisst selbstverständlich an einem und vielleicht fragst du dich auch, ob du tatsächlich ungerecht bist. Und ob der andere Hund es spürt. Ob du etwas falsch machst, nur weil dein Herz nicht für alle gleich laut schlägt.

Aber, ganz offen gesagt: Einen Lieblingshund zu haben – oder zumindest eine Verbindung, die sich anders anfühlt – ist völlig normal. Du bist damit nicht allein. Und es macht dich kein bisschen zu einem schlechteren Menschen für deine Hunde. Im Gegenteil. Dass dich diese Frage überhaupt umtreibt, zeigt, wie ernst du es meinst.

„Ich liebe alle meine Hunde aus tiefstem Herzen – aber jeden einfach ein bisschen anders.“ (Christine Ströhlein)

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Lieblingshund zu haben ist normal – Hunde sind Individuen, und nicht jede Verbindung entsteht gleich tief.
  • Lieben und verbunden sein sind zwei verschiedene Dinge. Du kannst alle lieben und mit einem trotzdem besonders im Gleichklang schwingen.
  • Manche Bindungen sind sofort da, andere wachsen über Monate oder Jahre – beides ist echt und wertvoll.
  • Ein schlechtes Gewissen ist kein Beweis für Versagen, sondern für deine Fürsorglichkeit.
  • Was zählt, ist nicht das perfekte Gefühl, sondern dein konsequentes Handeln: Sicherheit, Struktur, Verlässlichkeit.
  • Im Mehrhundehaushalt verdient das Thema besondere Aufmerksamkeit, weil Hunde sehr genau registrieren, wie Nähe verteilt wird.
  • Echte Fürsorge misst sich nicht daran, wie „gleich“ du fühlst, sondern daran, wie verlässlich du handelst.

Die Frage, die mir immer wieder gestellt wird

„Christine, hast du eigentlich einen Lieblingshund?“ Diese Frage höre ich ständig. Auf dem Hundeplatz, in Coachings, in den Kommentaren unter meinen Beiträgen. Und meistens schwingt da eine gewisse Vorsicht mit, als wäre die ehrliche Antwort irgendwie verboten.

Ich lebe mit (aktuell) fünf Windhunden aus dem spanischen Tierschutz. Fünf sehr eigene Charaktere, fünf Geschichten, fünf Temperamente, fünf Arten, mir nahe zu sein. Und ich sage dir ganz offen: Ich liebe sie alle aus tiefstem Herzen. Aber jeden eben ein bisschen anders.

Das ist kein Widerspruch, sondern einfach ehrlich. Und genau diese Ehrlichkeit nimmt vielen Menschen den Druck von den Schultern, wenn ich sie für mich und meine „Bande“ so direkt ausspreche.

Hunde sind Individuen – und Liebe ist kein Gleichmacher

Wir tun manchmal so, als müsste Liebe gerecht verteilt werden wie Futter aus dem Napf. Für jeden gleich viel, sonst stimmt etwas nicht. Aber so funktioniert Beziehung nicht. Weder zwischen Menschen noch zwischen dir und deinen Hunden.

Jeder deiner Hunde ist ein eigenständiges Individuum. Der eine sucht ständig deine Nähe (bei mir Vaiana), legt den Kopf in deinen Schoß, will Teil von allem sein. Der andere liebt dich auf Abstand (bei mir Mio), beobachtet lieber, kommt nur zum Kuscheln, wenn es seine Idee war. Und ein dritter (bei mir Dorie) ist vielleicht so unkompliziert, dass er im Alltag fast untergeht, einfach, weil er nie Ärger macht. Aragorn und Pina liegen irgendwo dazwischen. 🥰

Mit unterschiedlichen Wesen entstehen unterschiedliche Verbindungen. Das ist nicht ungerecht, sondern menschlich. Und hündisch!

Dorie

Lieben und verbunden sein: zwei Paar Schuhe

Hier liegt für mich der wichtigste Gedanke des ganzen Themas. Lieben und sich tief verbunden fühlen sind nicht dasselbe.

Du kannst jeden deiner Hunde von Herzen lieben, aber trotzdem mit einem von ihnen auf einer Wellenlänge schwingen, die du dir nicht ausgesucht hast. Es ist dieses Gefühl von „wir verstehen uns blind“, ein kurzer Blick genügt. Ihr seid ein eingespieltes Team, ohne es jemals geübt zu haben.

Diese besondere Verbindung sagt nichts darüber aus, wie groß deine Liebe zu den anderen ist. Sie sagt nur etwas über die Chemie zwischen euch beiden aus.

Liebe ist die Entscheidung, für jeden einzelnen da zu sein. Verbundenheit ist das Geschenk, das obendrauf kommt… mal lauter, mal leiser.

Warum manche Verbindungen sofort da sind und andere erst wachsen müssen

Manche Bindungen knistern vom ersten Tag an, andere brauchen Geduld. Aber beide sind echt.

Ich denke da an Paco. Paco kam als schwieriger Tierschutzhund aus Spanien zu mir, mehrfach weitervermittelt, unsicher, er reagierte aggressiv auf Männer und biss sogar meinen Vater. Mit ihm war anfangs gar nichts „leicht“. Aber durch ihn habe ich mich überhaupt erst tief ins Hundetraining eingearbeitet. Aus dem schwierigen, ängstlichen Hund wurde mein Vorzeigehund, mit dem ich Turniere lief und Dogdance zeigte. Paco wurde mein absoluter Seelenhund.

Diese tiefe Verbindung war nicht von Tag eins da. Sie ist über gemeinsame Wege gewachsen, über Hürden, die wir zusammen genommen haben.

Und genau das ist meine Botschaft an dich: Wenn sich ein Hund gerade „anders“ oder distanzierter anfühlt, heißt das nicht, dass da nie etwas Großes entsteht. Manche der tiefsten Bindungen brauchen einfach einen längeren Anlauf.

❤️ Genau wie bei mir und Paco ❤️

Lieblingshund, Paco, Tierschutz Spanien
Paco

Woher das schlechte Gewissen kommt und warum es dich ehrt

Lass uns ehrlich über dieses nagende Gefühl reden. Das schlechte Gewissen entsteht, weil du fair sein willst und keinen deiner Hunde benachteiligen möchtest. Und eben auch, weil dir jeder Einzelne wichtig ist.

Merkst du, was das bedeutet? Dieses schlechte Gewissen ist kein Beweis dafür, dass du etwas falsch machst. Es ist der Beweis dafür, dass du eine liebevolle, verantwortungsvolle Hundehalterin bist.

Ein gleichgültiger Mensch würde sich diese Frage nie stellen. Du stellst sie dir, vielleicht sogar immer wieder. Und allein das zeigt, dass deine Hunde bei dir in den besten Händen sind. Sei also bitte nicht so hart mit dir. Der Gedanke „ich liebe nicht alle gleich“ macht dich nicht zur schlechten Hundemama, sondern zu einer ehrlichen!

Was wirklich zählt: Fürsorge ist ein Tun, kein Gefühl

Jetzt kommt der Punkt, der für dich hoffentlich alles entspannt. Denn was deine Hunde von dir brauchen, ist nicht ein in jeder Sekunde exakt gleich starkes Gefühl; was sie brauchen, ist Verlässlichkeit.

Echte Fürsorge zeigt sich nicht im perfekten Bauchgefühl, sondern im konsequenten Handeln. Und das kannst du jedem deiner Hunde geben, ganz unabhängig davon, wie laut dein Herz für ihn schlägt:

  • Sicherheit: Jeder Hund weiß, dass du da bist, dass du ihn schützt, dass nichts ihn überrollt, ohne dass du eingreifst.
  • Struktur: Klare Abläufe, feste Rituale, verlässliche Routinen – das gibt jedem Hund Halt, dem stillen wie dem stürmischen.
  • Verlässlichkeit: Du tust, was du sagst. Jeden Tag. Auch an Tagen, an denen du selbst vielleicht erschöpft bist.

Der ruhige, unkomplizierte Hund, der nie Ärger macht, verdient genauso deine bewusste Aufmerksamkeit wie der, der dich von selbst überall hin begleitet. Schenk ihm aktiv Zeit, aber nicht aus Schuld, sondern aus echter Entscheidung. So sorgst du dafür, dass kein Hund durch dein Raster fällt, egal wo dein Herz gerade hängt.

Lieblingshund, Mehrhundehaltung

Warum das Thema Lieblingshund im „Rudel“ besonders heikel ist

Bei einem einzelnen Hund bleibt diese Frage eine rein innere Sache zwischen dir und deinem Gewissen. Im Mehrhundehaushalt wird daraus echte Alltagsdynamik, denn hier sind Beobachter dabei… deine anderen Hunde.

Hunde registrieren sehr genau, wie Nähe und Aufmerksamkeit verteilt werden. Wer darf zuerst auf die Couch? Wer bekommt den ersten Gruß an der Tür? Wessen Name fällt, wenn du gut gelaunt durchs Wohnzimmer gehst? Was bei einem Hund unbemerkt bleibt, kann in der Gruppe zum Auslöser für Eifersucht, Spannungen rund um Ressourcen oder ein leises Konkurrieren um deine Gunst werden.

Genau hier liegt der Fallstrick: Wenn du deinem Lieblingshund unbewusst mehr Nähe, mehr Blickkontakt, mehr „Ja“ gibst, kann der stille, zurückhaltende Hund noch weiter in den Hintergrund rutschen. Und das passiert nicht, weil du ihn weniger liebst, sondern weil der präsentere Hund einfach mehr Raum einnimmt. Der leise Hund zieht sich dann oft noch mehr zurück, statt um seinen Platz zu kämpfen.

Was in einer Mehrhundegruppe deshalb wichtig wird: Verteile bewusste Eins-zu-eins-Zeit statt nur spontaner Zuwendung. Achte aktiv auf den Hund, der nie fordert. Sorge bei Futter, Liegeplätzen und Begrüßung für faire, vorhersehbare Abläufe, damit deine Zuneigung nicht zur Ressource wird, um die gerangelt werden muss. Im Mehrhundehaushalt ist Gerechtigkeit kein Gefühl, das du in dir aufbringen musst, sondern Management, das du gestaltest. Und das hast du in der Hand, auch wenn dein Herz heimlich einen Favoriten hat.

Selfie Mehrhundehaltung

Der schwierige Hund, der einem oft am meisten ans Herz wächst

Vielleicht kennst du das auch, dass ausgerechnet der Hund, der einem am meisten abverlangt, besonders tief ans Herz wächst. Der ängstliche Galgo, der ewig braucht, um Vertrauen zu fassen, oder der Pflegehund mit Rucksack, der erst lernen muss, dass die Welt nicht nur weh tut.

In nun über 45 Pflegehunden habe ich erlebt, wie aus mühsamen Anfängen die innigsten Bindungen werden. Wer viel mit dir kämpft, teilt am Ende oft die tiefste Geschichte mit dir. Wenn also gerade dein „Sorgenkind“ dein Herz besonders erobert hat, ist auch das völlig in Ordnung. Es nimmt den anderen nichts weg.

Fazit

Hör auf, dich für ein ehrliches Gefühl zu verurteilen. Du musst nicht alle deine Hunde exakt gleich lieben, denn das kann kein Mensch, der wirklich fühlt. Du darfst einen Hund haben, mit dem es im Alltag einfach leichter fließt, ja, du darfst einen Lieblingshund im Herzen tragen, ohne ein schlechtes Gewissen mit dir herumzuschleppen.

Denn am Ende des Tages liegt ihr alle zusammen in einem Raum. Jeder spürt, dass er sicher ist. Jeder weiß, dass du kommst, wenn er dich braucht. Genau das ist Liebe in ihrer ehrlichsten Form, vielleicht nicht immer gleich verteilt, aber für jeden verlässlich da.

Und mal ehrlich: Wäre es nicht ein bisschen langweilig, wenn alle gleich wären? Es sind doch gerade die Unterschiede, die jedes einzelne Band so kostbar machen. Genau wie bei mir, 💖 Dorie, 💖 Mio, 💖 Aragorn, 💖 Pina und 💖 Vaiana.

Trainingsratgeber Keep Going Signale

Newsletter

Du willst raus aus dem Chaos und rein in die Harmonie?

In meinem Newsletter bekommst du regelmäßig Inspiration, praktische Tipps, ehrliche Einblicke und kleine Denk-Anstupser, die wirklich weiterhelfen – dir und deinen Hunden. Kein BlaBla. Kein Druck. Sondern ECHTE Hundeliebe. Von mir. Für dich.

Trag dich jetzt ein – und erhalte zusätzlich kostenlos meinen Trainingsratgeber „Brücken bauen für tiefes Vertrauen“!

Christine Ströhlein, Expertin für Mehrhundehaltung und Buchautorin

AUTORENBOX

Hi, ich bin Christine Ströhlein – Hundetrainerin, Buchautorin und leidenschaftliche Mehrhundehalterin. Mit meiner eigenen Hundefamilie (mehrere Windhunde aus dem spanischen Tierschutz) und der Erfahrung aus über 45 Pflegehunden weiß ich, wie herausfordernd – und wie wunderschön – das Leben im „Rudel“ sein kann. Ich helfe dir, Spannungen zu erkennen, klare Strukturen aufzubauen und wieder mehr Gelassenheit in euren Alltag zu bringen – bedürfnisorientiert, fair und praxisnah, ohne Druck und ohne Dogmen.
Denn: „Harmonie im Rudel ist das Ergebnis liebevoller Führung.“

👉 Starte hier mit meinen 0-Euro-Angeboten, Onlinekursen oder im Club

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert